Theater: Der NSU-Prozess. Die Protokolle.

02.06.
19:30 - 22:00

Staatstheater

Link zur Veranstaltung

DER NSU-PROZESS. DIE PROTOKOLLE [Uraufführung] Staatstheater Kassel
Annette Ramelsberger, Wiebke Ramm, Tanjev Schultz, Rainer Stadler

»1. Oktober 2013, Tag 41 İsmail Yozgat: »[…] Als ich hineinging, habe ich auf dem Tisch zwei rote Tropfen gesehen. Ich habe mir gedacht, vielleicht hat Halit Farbe verschüttet. Dann habe ich meinen Sohn dort liegen gesehen. Er lag auf dem Rücken. Ich habe ihn auf meinen Arm gelegt. (Steht auf. Schreit.) Er gab keine Antwort! […]« (Er tritt nach vorne an das Richterpult. […] Yozgat legt sich auf den Bauch, um zu zeigen, wie sein Sohn lag. Er liegt direkt vor dem Tisch, an dem Zschäpe sitzt.) «

Am 6. Mai 2013 begann in München der größte Strafprozess Deutschlands seit der Wiedervereinigung. Am 11. Juli 2018 wurde das Urteil gesprochen. Fünf Angeklagte wurden beschuldigt, die Terrororganisation NSU gegründet oder unterstützt zu haben, eine rechtsradikale Gruppe, die zehn Menschen ermordet, drei Sprengstoffanschläge verübt, eine Brandstiftung und 15 Raubüberfälle begangen haben soll. In dem Verfahren wurden mehr als 600 Zeug*innen und Sachverständige gehört, über 60 Anwält*innen vertraten die fünf Angeklagten und 91 Nebenkläger*innen an 438 Prozesstagen. Vier Journalist*innen der Süddeutschen Zeitung haben die Verhandlung vom ersten Tag an lückenlos verfolgt. Aus ihren Mitschriften ist ein umfangreiches Protokoll und damit auch ein Stück deutscher Geschichte entstanden, das ein Gesamtbild von zehn Jahren Terror, dem nicht endenden Schmerz der Opfer, dem eiskalten Vorgehen der Täter*innen, dem Dilettantismus der Ermittler*innen und der schwierigen Suche nach der Wahrheit vermittelt. Viele Fragen sind bis heute unbeantwortet geblieben: Wie kann es beispielsweise sein, dass ein beim Mord an Halit Yozgat in Kassel anwesender Mann vom Verfassungsschutz nichts mitbekommen haben will? Wieso wurden Akten vernichtet, Informationen verschleiert oder zurückgehalten? Wer hat den NSU unterstützt?

Im August 2018 erhielt die Rechtsanwältin Seda Başay-Yıldız ein Fax, in dem damit gedroht wurde, ihre kleine Tochter zu »schlachten«. Seda Başay- Yıldız vertrat beim NSU-Prozess Adile Şimşek, deren Mann Enver im Jahr 2000 von der rechten Terrorzelle ermordet wurde. Unterzeichnet war das Schreiben mit »NSU 2.0«.

Stückseite beim Stastatheater
Facebook-Event und Trailer (Trailer von Rekino)

Merk' ich mir! (iCal-Export in Kalender)