Solidarisches Spazierengehen gegen EU-Grenzpolitik

Am Samstagnachmittag, den 02. Mai waren in der Fußgängerzone rund um den Friedrichsplatz ca. 50 Personen unterwegs, um auf die menschenunwürdige Situation in den Flüchtlingslagern an der EU-Außengrenze aufmerksam zu machen. Sie folgten damit dem Aufruf der Initiative ‚Solidarity City‘ zu einem „solidarischen Einzel-Spazierengehen“.

Zur Zeit harren mehr als 40 000 Menschen unter katastrophalen Bedingungen in Lagern auf verschiedenen griechischen Inseln aus und sind dort einer möglichen Ausbreitung des Corona-Virus schutzlos ausgeliefert. Auf Schildern, Transparenten und Regenschirmen forderten die Spazierenden in der Kasseler Innenstadt die sofortige Evakuierung dieser Lager und die Aufnahme der Geflüchteten durch Deutschland. Sowohl im Aufruf als auch auf Schildern der Spazierenden wurde thematisiert, dass an der EU- Außengrenze das Recht auf Asyl und grundlegende Menschenrechte faktisch ausgesetzt seien.

те: пресс-служба

Nachdem die Teilnehmenden ab 15 Uhr eine Stunde lang durch die Innenstadt spaziert waren, fanden sie sich vor dem Rathaus ein und ließen sich dort einige Zeit mit den Schildern und Transparenten auf den Treppenstufen nieder. Um kurz nach 16 Uhr wurde die Aktion beendet.

Angesichts der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen hatte die Initiative in ihrem Aufruf darum gebeten, einen Mundschutz zu tragen und mindestens zwei Meter Abstand zu zueinander zu halten, um sich und andere vor einer möglichen Ansteckung zu schützen. Dieser Bitte kamen die Spazierenden nach. Während ähnliche Aktionen in anderen deutschen Städten bereits gewaltsam von der Polizei verhindert wurden, blieb es in Kassel trotz Polizeipräsenz in der Innenstadt in dieser Hinsicht weitestgehend ruhig. Als sich die Menschen wieder vom Rathausplatz entfernten, kontrollierte die Polizei jedoch die Personalien einer Person, der Vermummung vorgeworfen wurde.

Die Aktion war Teil der deutschlandweiten #LeaveNoOneBehind-Kampagne, im Zuge derer seit Wochen trotz Kontaktbeschränkungen mit kreativen Aktionen und Protestformaten auf die Situation der Geflüchteten aufmerksam gemacht wird.