„Tear this down!“


Name mit rassistischer Konnotation: Black and People of Colour-Gruppe fordert in offenem Brief die Umbenennung der Mohren-Apotheke.

Spätestens seit der großen Black Lives Matter-Demonstration wird auch in Kassel wieder über rassistische Konnotationen im Alltag diskutiert. Neben dem sogenannten „Afrika- Viertel“ in Forstfeld, wo viele Straßen nach ehemaligen Kolonien oder ihren deutschen Kolonisatoren benannt sind, ist vor allem die Mohren- Apotheke am Bebelplatz Gegenstand der Debatte.

En einem offenen Brief wendet sich die Black and People of Colour-Gruppe in Kassel an Christina Hartmann, die Inhaberin der Apotheke. Weil mit dem bisherigen Namen einem rassistischen Begriff ein Denkmal gesetzt werde, müsse die Apotheke umbenannt werden, fordern sie.

Unterdessen benannten Aktivist*innen einige Straßen im „Afrika-Viertel“ symbolisch um und wiesen so auf ihre kolonialen Namensgeber hin. Auch das „M“ im Namen der Apotheke am Bebelplatz verschwand vorübergehend hinter einer durch unbekannte Aktivisten angebrachten Holzplatte und macht sie so zur Ohren-Apotheke. Bei der Apothekenbetreiberin stieß die Aktion nicht auf Gegenliebe und auch der polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

Nun versucht die Black and People of Colour-Gruppe, die Wogen wieder zu glätten. Ihr offener Brief sei vor allem als Gesprächsangebot an die Apothekenbetreiberin gemeint. Damit soll die nach eigener Einschätzung „strittige politische Situation“ zunächst deeskaliert werden, um anschließend in einen gemeinsamen Dialog zu treten.

Trotz aller diplomatischer Bemühungen bleibt ihr Standpunkt allerdings klar: Die Betreiberin fordern sie in ihrem offenen Brief dazu auf, die Apotheke umzubenennen:

„Setzen Sie ein Zeichen und stehen Sie für eine offene, antirassistische Gesellschaft ein, in der abwertende Begriffe für Black und People of Colour nicht als Bezeichnung für Apotheken, Geschäfte o.ä. herhalten dürfen.“

Der Gruppe gehe es allerdings nicht darum, eine Umbenennung durch gesellschaftlichen Druck einfach zu erzwingen. „Eine Umbenennung sollte die Folge der Auseinandersetzung mit der historisch gewachsenen, rassistischen Bedeutung des Namens sein.“

Ob die Betreiberin auf dieses Gesprächsangebot eingeht, erscheint an dieser Stelle noch fraglich. Zwar äußerte sie, bereits mit dem Gedanken an eine Umbenennung gespielt zu haben. Bisher hätten jedoch die Bedenken über vermeintliche finanzielle Belastungen sowie den dann anstehenden Verwaltungsaufwand überwogen. Ganz unwahrscheinlich ist eine Umbenennung trotzdem nicht: In einigen Städten haben sich bereits andere Mohren-Apotheken von ihrem Namen getrennt.